Schulkritik

Geburtstag: Janusz Korczak

Juli 23, 2008 · Kommentar schreiben

Heute vor 130 Jahren, am 22. Juli 1878/79 wird Janusz Korczak in Warschau geboren. Als Schriftsteller, Pädagoge, Kinderarzt und Reformer sollte er in die Geschichte – nicht nur der Pädagogik – eingehen.

Sein pädagogisches Denken und Handeln, aufbauend auf dem aufrichtigen Respekt und der Achtung vor dem Kind  als menschenwürdevolles Individuum ist getränkt durch reformerischen Geist und die Kritik an den gegenwärtigen Zuständen von Schule und Gesellschaft. In dieser Kritik kulminiert sein Werk.

Aus ihr heraus formuliert Korczak pädagogische Alternativen und erprobt diese in der Praxis: Kindergerichte, Kinderparlamente, durch Kinder herausgegebene eigene Zeitungen, “Langschläfertage”, “Tage des Schmutzfinks”… Korczak verlangt die Durchsetzung von Rechten des Kindes und deren wirkungsvolle Verteidigung, Rechte die er in seiner Zeit als missachtet erkennt: respektvoller Umgang mit dem Kind, das Recht des Kindes auf den heutigen Tag, das Recht des Kindes zum Tode, das Recht als vollwertiger Mensch anerkannt und behandelt zu werden.

Konsequent folgt er seinem anthropologischen Bild vom Kind und seinem moralischen Urteil auch im Handeln. Sein Einsatz für die Zöglinge ging so weit, dass er Ihnen 1942 in das Nazi-Vernichtungslager in Treblinka folgt.

Und trotz dessen wollte Korczak – gegen vorschnelle, gängige Verstehensmuster – sein Leben und Handeln in diesem nicht als wohltätiges, uneigennütziges Samaritertum verstanden wissen:

„Es lügt derjenige, der sagt, dass er sich für etwas oder für jemanden opfert. Der eine liebt Karten, ein anderer Frauen; der eine lässt kein Pferderennen aus und ich liebe Kinder. Ich opfere mich gar nicht, ich mache das nicht für sie, sondern für mich. Das ist für mich notwendig. Sie sollten den Worten über Aufopferung keinen Glauben schenken. Sie sind verlogen und heuchlerisch (…).” (J.K.)

Lesetipp:

Janusz Korczak: Die Schule des Lebens. In: Sämtliche Werke. Bd. 7: Sozialkritische Publizistik. Gütersloher Verlagshaus 2001

Weblinks:

http://www.janusz-korczak.de/

http://www.deutsche-korczak-gesellschaft.de

BR Alpha zeigt außerdem in den nächsten Tagen eine kleine Dokumentation.

Youtube-Images:

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Schulkritik gestern und heute

Juli 17, 2008 · Kommentar schreiben

Mit dem Enstehen der modernen Schule aus der Aufklärung heraus, entsteht auch eine neue Textform: der schulkritische Text. So lange es die moderne Schule – resp. Staatsschule – gibt, so lange wird sie kritisch begleitet, wird hinterfragt, in Frage gestellt, dekonstruiert und delegitimiert.

Vom 19. Jahrhundert bis in unsere Zeit entstehen schulkritische Texte unterschiedlichster Couleur: wissenschaftliche Texte und Texte im feuilletonistischen Stil, Texte mit elaboriertem Begriffsinventar und Texte, in denen Begriffe diffus und bedeutungsleer einander abwechseln, Texte, die den engen Kreis der Institution Schule betreffen und Texte, die diesen übersteigen. Die Kritik trifft dabei die institutionelle Ordnung der Schule ebenso wie deren Hauptakteure – die Lehrer und Bildungsadministratoren – die vermittelten Inhalte, die methodisch-didaktische Ausrichtung oder die im Zusammenhang von Bildung und Erziehung notwendig angenommenen, impliziten und expliziten anthropologischen und epistemologischen Grunglagen.

Schulkritik spannt sich auf zwischen: Fundamentalkritik und punktueller Kritik. Sie formuliert sich mit fokussiertem Blick auf die Institution Schule oder gründet sich nicht selten auf eine allgemeine und weit gefasste Form der Kulturkritik. Teile der Schulkritik beziehen auch außerschulische Formen von Bildung und Erziehung mit in die Argumentation ein. Die Formulierung von Alternativen zum diagnostizierten Verfall oder Missstand von Bildung und Erziehung ist möglicher, jedoch nicht notwendiger Bestandteil von Schulkritik.

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